World Green Building Week 2020 #ActOnClimate

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind wichtiger denn je. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen, wenn es ums Bauen und Wohnen geht? Wie geht Hausbau möglichst klimaschonend? Zukunftsweisende Antworten gibt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB. Seit ihrer Gründung 2007 setzt sie sich für nachweislich gute und nachhaltige Gebäude, für lebenswerte Quartiere und somit für eine zukunftsfähig gebaute Umwelt ein. Dafür hat die DGNB ein Zertifizierungssystem entwickelt, das mit über 30 Kriterien all jene Aspekte definiert, mit denen sich Bauprojekte nachhaltig und klimaschonend umsetzen lassen. 

Ein Gastbeitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB:

Wussten Sie, dass Gebäude für fast 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind? Dass ein hoher Energieverbrauch während der Gebäudenutzung, beispielsweise durch eine schlechte Dämmung oder eine ineffiziente Heizungstechnik für einen hohen CO2-Ausstoß sorgen, ist vielen weithin bekannt. Dass aber auch ein unangemessenes Nutzungsverhalten oder eine veraltete IT-Infrastruktur häufig unnötig viele Emissionen verursachen, ist eher weniger geläufig. 

Noch weniger im allgemeinen Bewusstsein ist die Tatsache, dass ein Gebäude bereits vor der Fertigstellung und Nutzung einen hohen CO2-Fußabdruck hat. Denn jeder Baustoff muss zuvor abgebaut, jedes Baumaterial hergestellt und transportiert werden – alle Prozesse verursachen Emissionen. Umso wichtiger ist es, dass Baumaterialien als wertvolle Stoffe gesehen werden, die auch nach vielen Jahre nicht auf der Deponie landen, sondern in der Wiederverwertung.

Wichtiger Hebel beim Klimaschutz: Gebäude

Kurzum: Beim Klimaschutz spielen Gebäude eine Schlüsselrolle. Denn all die genannten Aspekte können bereits in der Planung berücksichtigt und CO2-Emissionen massiv vermieden werden. Positiv formuliert heißt das: Jedes Gebäude, ob Neubau oder bestehend kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Kein Wunder also, dass die World Green Building Week, eine weltweite Aktionswoche des World Green Building Council, dieses Jahr unter dem Motto #ActOnClimate stattfindet. Das Ziel: „Net Zero Carbon Buildings“. Heißt auf Deutsch: Klimaneutrale Gebäude. Oder mit den Worten der DGNB: Klimapositive Gebäude, die einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, sollten schnellstmöglich Normalität werden.


Als Plus-Energie-Haus erzeugt dieses Bien-Zenker Haus übers Jahr mehr Energie als es zum Heizen benötigt

Klimaneutral ist heute schon möglich!

Bei der DGNB ist uns eine Botschaft besonders wichtig: Wir können heute schon klimapositiv bauen und betreiben! Das zeigen wir unter anderem mit der Auszeichnung „Klimapositiv“, die wir 2019 erstmals an neun Gebäude verliehen haben. Alles, was es dafür braucht, ist ein systematisches Vorgehen. Und auch dieses haben wir niedergeschrieben. Egal, ob Sie ein neues Wohnhaus planen oder Ihr bestehendes Gebäude optimieren wollen, mit einem Klimaschutzfahrplan werden Sie Schritt für Schritt klimaneutral und – ganz wichtig – bleiben dies Jahr für Jahr. #ActOnClimate lässt sich also bestens an und in den eigenen vier Wänden durchführen.

Klimaneutral wohnen: Was heißt das eigentlich?

In einem klimaneutralen Gebäude zu wohnen, sagt sich nicht nur gut, sondern fühlt sich vor allem gut an und lohnt sich aufgrund von Wertsteigerung, ökonomischer Sicherheit, Effizienz und Beliebtheit auch für den Geldbeutel. Technisch gesprochen ist ein Gebäude dann klimaneutral, wenn es in einem Jahr weniger CO2-Emissionen verursacht hat, als es durch die Eigenproduktion von möglichst regenerativ gewonnener Energie vermieden hat. Wer nicht nur im jährlichen Betrieb, sondern in der gesamten Konstruktion klimaneutral sein will, muss die CO2-Emissionen, die bei Baumaterialien und Verbauung entstehen, in die Rechnung mit einbeziehen - und entsprechend über die Jahre kompensieren. 

Schritt für Schritt zur Klimaneutralität


Fünf Handlungsfelder für den Betrieb führen in die Klimaneutralität

Damit Gebäudenutzer und Planer wissen, wie all dies gelingen kann und wie sie in den richtigen Phasen die besten Entscheidungen treffen können, haben wir einen Leitfaden entwickelt, der Schritt für Schritt aufzeigt, was von wem wann zu tun ist. Zusammengefasst geht es um Folgendes: Die oben angedeutete Bilanzierung der CO2-Emissionen bildet die Grundlage für jede Optimierung. Für diese Rechnung werden zum einen die Jahresverbrauchswerte des Gebäudes ermittelt. Zum anderen gilt es herauszufinden, welche CO2-Intensität die jeweilige Energieart hat. Selbst produzierte erneuerbare Energie geht beispielsweise mit dem Emissionsfaktor Null in die CO2-Bilanz ein. Exportierter Strom geht mit dem CO2-Faktor des Strom-Mixes in Deutschland ein. Mithilfe von Tools kann die CO2-Bilanz dann berechnet werden.


Ein Klimaschutzfahrplan bringt alle Maßnahmen in eine zeitliche Reihenfolge

Um den Klimaschutzfahrplan für das Gebäude aufzustellen, gilt es nun noch den Zustand des Gebäudes zu erfassen und mögliche Optimierungspotenziale zu definieren. Bei der Gebäudenutzung geht es hier zum Beispiel darum, den Einsatz erneuerbarer Energien am Standort zu erhöhen, z.B. durch Photovoltaik. Oder aber den Energieverbrauch zu reduzieren, z.B. durch ein effizienteres System für Raumheizung/-kühlung und einen bewussteren Umgang damit. Alle Maßnahmen werden nun nach Kosten bewertet und in eine zeitlich sinnvolle Reihenfolge gebracht mit dem Ziel eines klimaneutralen Betriebs bis spätestens 2050. 

Jetzt gilt es die Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen, zu dokumentieren und jährlich nachzuprüfen, ob das erreicht wurde, was geplant war. So kann bei Bedarf nachjustiert werden. Mit dieser Systematik können Gebäudenutzer und Planer sicher sein, dass sie auf ihrem Weg in die Klimaneutralität bleiben. 

Mehr als Klimaschutz: Das DGNB-System 

All die genannten Schritte sind automatisch berücksichtigt, wenn ein Neubau oder eine Betriebsoptimierung mithilfe einer DGNB-Zertifizierung durchgeführt werden. Über den Klimaschutz hinaus verfolgt die DGNB-Zertifizierung einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, der die Auswirkungen auf Umwelt, Mensch sowie die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen in der Planung gleichermaßen betrachtet. Wer also mit der DGNB zertifiziert, hält zum einen den Nachweis für sein Engagement im Sinne des #ActOnClimate in der Hand, weil er aktiv dafür sorgt, dass die Prozentzahl der CO2-Emissionen sinkt. Darüber hinaus zeigt er damit seine Ambitionen für eine ganzheitlich nachhaltigere Zukunft.  

Bien-Zenker-Häuser, die im Gold-Standard der DGNB-Zertifizierung gebaut werden, sind ein sicherer und einfacher Weg für Gebäudenutzer, um im Sinne der Nachhaltigkeit zu bauen. Um sicherzugehen, dass nach dem Einzug die tatsächliche Nutzung, also der Betrieb, klimaneutral verläuft, lohnt sich ein Blick in die oben angesprochenen Tools und Publikationen der DGNB oder eine Zertifizierung für Gebäude im Betrieb.

Alle Informationen zu Klimaschutz bei Gebäuden finden Sie unter www.dgnb.de/klimaschutz.