Wenn man zu zweit für sich ein Haus plant, sind die Voraussetzungen natürlich ganz andere, als wenn ein Familienhaus das Ziel ist. Das gilt insbesondere fürs Dachgeschoss, wo dann üblicherweise die Kinderzimmer und heutzutage oft auch ein separates Kinderbad untergebracht sind. Schauen wir uns also an, wie Kathleen und Dirk Lummer gebaut haben – und wie sie jetzt wohnen.

Evolution stand Pate

Gemeinsam mit dem Firmenarchitekten legten Lummers ihrer Planung den Entwurf Evolution 136 zugrunde und modifizierten diesen unter anderem durch eine Wohnraumerweiterung für mehr Grundfläche. Allerdings bedarf es doch einiger Phantasie, wenn man das Eigenheim des Ehepaars heute mit dem Entwurfsvorschlag vergleicht und Grundrissübereinstimmungen finden möchte. Denn die Bauherrschaft entschied sich für eine innenliegende, viertelgewendelte Treppe, was der Diele zu Gute kommt. Außerdem hat das Haus eine abgeschrägte Gebäudeecke, und der Grundriss wurde dem Baugrundstück entsprechend „gespiegelt“. Das verbessert die Erschließungssituation mit der Haustür auf der Traufseite.



Großzügig und praktisch 

Erhalten blieb das offene Wohnkonzept im Erdgeschoss, das sich bestens macht. So führt die Diele – links davon ein Dusch-Bad, rechts der Haustechnikraum – in einen großzügigen Koch-Ess-Wohnbereich mit einer praktischen Speisekammer, die einen eigenen Gartenausgang hat. Dem Ganzen schließt sich, ohne Tür, ein weiterer Wohnraum an; aus unserer Sicht als zusätzlicher Rückzugsbereich ausgezeichnet geeignet zum Lesen, Fernsehen oder ähnliches.

Hell und luftig

Wir greifen nochmals die Abschrägung der Fassade an der Südwestseite des Hauses auf. Daraus ergibt sich ein klasse Raumgefühl, die Glastüren bringen noch mehr Tageslicht herein, und man kann das halbe Jahr lang „rauswohnen“ Richtung Terrasse und Garten. Eine perfekte Lösung also für diejenigen, die sich gerne draußen aufhalten und vielleicht oft grillen. Für ein „luftiges“ Gefühl im Wohnzimmer sorgt übrigens ein vertikaler Luftraum im Bereich des Erkers.



Hohe Räume unterm Dach

Das Dachgeschoss beeindruckt zunächst einmal mit seiner Höhe. Dafür sorgt ein rundum 1,80 Meter hoher Kniestock, der fast den Eindruck eines zweiten Vollgeschosses schafft. Sofern der Baubauungsplan solch einen Kniestock erlaubt, sollte das genutzt werden. Denn für vergleichsweise bescheidene Mehrkosten bekommt man dauerhaft viel mehr Wohnraum mit angenehmer Kopffreiheit auch unterm Schrägdach und deutlich besseren Stellmöglichkeiten für Schränke und sonstiges Mobiliar.

„Man gönnt sich ja sonst nichts“

Und jetzt kommen wir zum echten Zwei-Personen-Wohnen beziehungsweise den individuellen Möglichkeiten, die das ergibt. So hat sich die Hausherrin mit einem hochwertig ausgestatteten Badezimmer samt geräumiger Heimsauna eine fantastische „26-Quadratmeter-Wohlfühloase“ gegönnt. Hier verbringt sie viel Zeit, wenn sie nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt oder mal frei hat. Der Hausherr hat hier sein Studio. Mit „Studio“ ist hierbei nicht der allgemeine Begriff eines Dachstudios gemeint, sondern ein waschechtes Tonstudio, in dem Dirk Lummer nicht einfach seinem Hobby nachgeht, sondern seiner Leidenschaft als Heim DJ frönt. Von hier aus schickt er elektronische Tanzmusik in die Online Welt und produziert zwei Radiosendungen.




Nachhaltig und energiesparend

Zum Schluss noch das Thema Haustechnik. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein nachhaltiges KfW-Effizienzhaus 40 Plus, dessen minimaler Energieverbrauch sich in zwei Zahlen ausdrücken lässt: Jahresprimärenergiebedarf = 28,7 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr (kWh/(m²a) und Jahresheizwärmebedarf = 20,1 kWh/(m²a). Den Bau so eines Energieminimalisten fördert der Staat mit einem zinsgünstigen Sonderdarlehen und die Bewohner können sich auch über dauerhaft niedrige Energiekosten freuen.

Sauberer Sonnenstrom dominiert

Besonders sparen die Eheleute Lummer. Denn sie betreiben ihre effiziente Luft-Luft-Wärmepumpe, überwiegend mit eigenem Solarstrom,  den die Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert und für einen möglichst hohen Eigenverbrauch in einem Batteriestromspeicher sammelt. Für frische Luft sorgt eine Anlage zur automatischen Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, und die Optimierung der Energieströme im Haus übernimmt eine Gebäudeautomation mittels sensorgesteuerter Beschattung und automatischer passiver Energiegewinne.




So ausgestattet, kann man sein Haus sogar mit gutem Gewissen im Sommer kühlen. Zu diesem Zweck besitzt die Heizung nämlich eine Kühlfunktion für besonders heiße Tage. Und die werden wohl weiter zunehmen…