Wer gerne auf Floh- und Kunsthandwerkermärkte geht oder mal auf einer Einrichtungsmesse war, kam mit ziemlicher Sicherheit schon mit dem Shabby Chic-Stil in Berührung. Doch wissen Sie überhaupt, was es mit diesem auf sich hat? Warum er sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut und wie auch Sie den Shabby Chic in Ihre vier Wände bringen können, möchten wir Ihnen nicht länger vorenthalten.

 

„Eine Portion schäbigen Schick, bitte!“

Bitte was? Ja! Sie haben richtig gelesen. Wortwörtlich übersetzt ist Shabby Chic nichts anderes als schäbiger Schick. Klar, eine schicke Einrichtung haben die meisten von uns gern. Doch bei dem Wort „schäbig“ sieht es ein wenig anders aus, oder!? Schließlich wollen wir uns nicht schämen müssen, wenn Besuch kommt. Und wohlfühlen in einem schäbig gestalteten Haus…daran ist doch nicht zu denken!

Ja und Nein. Dazu sollten wir uns das Wort nochmal genauer anschauen, denn mit schäbig ist in diesem Zusammenhang weder billig, jämmerlich noch sonst etwas „Negatives“ gemeint. Es geht in erster Linie um eine persönliche Geschichte, die ein Einrichtungsgegenstand mit sich bringt. Abgenutzte Stellen, verschlissener und aufgeplatzter Lack unterstreichen den antiken Charme und zeigen, dass es sich um ein besonderes Einzelstück handelt. Bei solch einer Einrichtung muss sich also niemand schämen. Im Gegenteil. Shabby Chic lädt ein zum Staunen und Träumen.

 

Flohmarktfunde, Erbstücke und heutige Akzente

Shabby Chic hat seine Wurzeln in England, wo der Stil in den 1980er Jahren geprägt wurde. Der britischen Interior-Designerin Rachel Ashwell verdankt er seinen Namen. Sie ist seit dieser Zeit erfolgreich im Handel mit Vintage-Mobiliar und so manchem Flohmarktfund. Auf ihrer Seite stehen nicht nur diese Waren zum Angebot, sie gibt darüber hinaus im eigenen Blog viele Einblicke in die Welt des Shabby Chic und inspiriert ihre Leser mit Bildern sowie Tipps.

Charakteristisch ist die Erzeugung einer Atmosphäre, die Altes mit Neuem mischt und dabei einen etwas lieblichen, elegant-verhaltenen und femininen Charme versprüht. Erreicht wird das mit Möbelstücken aus vergangenen Tagen, Einrichtungselementen mit Gebrauchsspuren und DIY-Note, natürlichen Materialien wie (unbearbeitetes) Holz, Leinen und anderen Stoffen mit romantischen Mustern aus Omas Zeiten sowie Blumen in zarten Pastelltönen. Dazu ein paar schimmernde Accessoires, die mit ihrer edlen Anmutung dem Look einen letzten Feinschliff geben.

 

Shabby Chic für jedes Budget

Nicht jede Umsetzung des Shabby Chic ist gleich. Schließlich richten sich nicht alle mit echten Antiquitäten ein, zumal das auch eine Preisfrage ist. Aber auch ohne teures Mobiliar ist die Umsetzung des Stils kein Problem. Heute bieten sich unzählige Möglichkeiten, den Shabby Chic zu seinem eigenen Stil zu machen, ohne gleich ein Vermögen auszugeben. Wer also nicht beim Antiquitätenhändler um die Ecke einkauft, der kann sich auf Flohmärkten umsehen und sein Glück versuchen. Und dann gibt es ja auch noch das Thema DIY. Wer selbst etwas Hand anlegt, kann sich über nicht ganz so shabby aussehende Flohmarktfunde oder normale Handelsware hermachen. Ob aufstreichbares Blattgold für die besonders edle Note, Kalkfarbe für nostalgisch anmutendes Holz oder schlichtweg ein selbstgehäkelter Kissenbezug: Mit etwas Geschick verleihen Sie Ihrem Zuhause ein wertiges Vintage-Flair.

Wer nicht so viel Wert auf die Geschichte dahinter legt, kann auf Shabby Chic getrimmte Ware auch im Einzelhandel kaufen. Immer mehr Läden bieten solche Gegenstände an, die auf „Alt“ gemacht sind, denen Gebrauchsspuren professionell zugefügt wurden und die zum Teil nicht einmal mehr von „echten“ Vintage-Stücken zu unterscheiden sind. Im Grunde spricht da nichts dagegen, denn immerhin kann sich so jeder sein Shabby Chic-Accessoire leisten. Und das ist es doch was zählt!

 

Typisches für Ihr Shabby Chic-Zuhause

  • Schlichte Kleinstmuster, Blumenmuster
  • Tapeten im Toile de Jouy-Stil, Stofftapeten
  • Pastellfarben, Altweiß, Creme-Weiß, Beige
  • Spitze, Samt, Satin sowie Leinen, leichte Baumwolle
  • Kerzenleuchter und andere glänzende Accessoires
  • Abgeplatzter Lack, kalkgebeizte und milchige Accessoires
  • Frische Blumen wie Hortensien, Flieder, Rosen
  • Weidengeflechte, Treibholz, Muscheln, Federn
  • Porzellan, Kristallglas, blindes Spiegelglas, Bauernsilber
  • Gebrauchte Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände

 

Abtauchen in Märchenwelten und alte Zeiten  

Träume wahr werden lassen: Denn das ist es, was den Stil zu einem großen Trend werden ließ. Die Sehnsucht nach einer gemächlicheren Welt. Eine Welt ohne Zwänge, ohne den Drang zum Perfektionismus und das ganze moderne Drumherum. Nicht ständig funktionieren müssen, Ecken und Kanten zulassen und sich mal zurücklehnen dürfen. Zurückziehen in ein Landhaus und dem Stress entgehen. Abtauchen in eine „Märchenwelt“, wie es heute vielleicht von dem ein oder anderen bezeichnet werden würde. Genau das verkörpert der Shabby Chic.

 

Quellen:

www.houzz.de
www.livingathome.de
www.schoener-wohnen.de

 

Bildquelle: 

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