Traurig und verlassen altert es ganz allein.

Klingt wie der Anfang eines Buches, in dessen Geschichte es um Verlust und Trauer geht. Weit gefehlt. In diesem Artikel geht es weder um den Verlust oder die Vergänglichkeit des Schönen, noch um das Verlassen werden.

Wabi-Sabi ist das Stichwort und kommt aus Japan. Konnten Sie sich sicher denken, hat es doch große Ähnlichkeit zu Wasabi. Dieser grünen Paste, die einem, falsch dosiert, das ganze Sushi versauen kann. Doch bei Wabi-Sabi handelt es sich um einen Einrichtungsstil, der von den Japanern schon hunderte Jahre angewendet wird, nun endlich auch in Europa Einzug hält und zum wahren Trend avanciert.

 

Ein anderer Blickwinkel

„Wabi“ heißt übersetzt so viel wie traurig oder verlassen sein. „Sabi“ war im Japanischen das Wort für alt sein oder vergehen. Doch im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung zu etwas Positivem entwickelt.                                                                                                                                                                     
Eventuell ist „Einrichtungsstil“ nicht das passende Wort für Wabi-Sabi. Vielmehr ist es eine Philosophie, die bis in das 16. Jahrhundert zurück reicht. Es hat eine enge Verbindung zum Zen-Buddhismus und wirkt auf den ersten Blick minimalistisch. Doch wie so oft im Leben, erschließt sich beim Wabi-Sabi der Sinn aus dem Detail. Die Schönheit des Unvollkommenen. Besonderheit durch Makel.

Gerade in der heutigen Zeit, in der wir stets nach Perfektion und Makellosigkeit streben, ist Wabi-Sabi ein Perspektivwechsel. Den Blickwinkel zu den Schönheiten der Natur zurückzugewinnen und die kleinen Dinge im Leben wieder schätzen und lieben zu lernen. Eine durchaus inspirierende Philosophie, die dabei helfen soll, den Ballast des Alltags abzuwerfen.

 
Zum neuen Leben erweckt

Doch was genau ist Wabi-Sabi? Woran können Sie es erkennen?

Unter anderem nutzt diese japanische Ästhetik die traditionelle Methode der Keramikreparatur „Kintsugi“. Dabei versucht der Kintsugi-Meister den zerbrochenen Gegenstand nicht so zu reparieren, dass er wie neu aussieht. Ganz im Gegenteil. Jede Bruchstelle verhilft, zum Beispiel einer Schale, zu einem einzigartigen Schmuckstück zu werden und dem unversehrtem Original in nichts nachzustehen. Nein, noch viel besser. Es erzählt nun eine Geschichte. Und jeder Betrachter liest in ihr eine andere.

Wabi-Sabi macht sich also besonders die Natur zu Nutze und beschränkt sich in seinen Formen auf das Wesentliche. Keine großen Schnörkel oder ausgefallenen Statuen. Die Natur malt bekanntlich die schönsten Bilder und genau darauf konzentriert es sich. Keramik, Holz, Beton, Leder, Naturstein. Alles Materialien, die sich im Wabi-Sabi zusammen zu einem minimalistischen Kunstwerk verbinden.

Wie Sie sich nun auch sicher denken können, spielen im Wabi-Sabi eher neutrale und subtile Farben eine Rolle. Auch hier ist wieder Natürlichkeit Trumpf.  Ausgefallene Lilatöne findet man eher selten. Stattdessen ist ein dezentes Grün wahrscheinlich schon die auffälligste Farbe. Dazu kommen beispielsweise Beige- und Cremetöne.

 

Ähnlichkeiten zu heutigen Trends

Diese Art der Einrichtung begeistert, besonders uns Deutsche, schon seit vielen Jahren. Shabby-Chic oder der schon seit längerem beliebte Vintage Stil sind dem Wabi-Sabi sehr ähnlich. Auch hier wird Wert auf Natürlichkeit und Unvollkommenheit gelegt, die das eigene Zuhause erst vollkommen machen. Gebrauchte Materialien, die vor Jahren noch als unbrauchbar galten, werden zu neuem Leben erweckt und erhalten einen neuen Platz in unseren vier Wänden.

 

Nur ein Einrichtungsstil?

Wie Sie erkennen, ist Wabi-Sabi viel mehr als nur ein Trend der heutigen Zeit. Beim Wabi-Sabi geht es, wie oben schon kurz angedeutet, mehr um das Lösen von alltäglichen Dingen, die wir als so wichtig empfinden, aber doch eigentlich nicht brauchen.

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, sich näher mit Wabi-Sabi zu beschäftigen, blicken Sie über den Tellerrand hinaus. Lösen Sie sich von perfektem und künstlichem Chi-Chi, das Ihre Wohnung unnötig unruhig macht. Fokussieren Sie sich eher auf Dinge, die Sie wirklich brauchen, oder die durch ihre Einzigartigkeit den ganzen Raum aufwerten. Dinge, die nicht nur das Auge treffen, sondern das Herz! Nehmen Sie sich Zeit, Dinge anzuschauen. Erkennen Sie die wahren Schönheiten der Natur. Die Schönheiten der Makel, die wir alle haben und die uns zu etwas Besonderem machen.

Quellen:
Schoener-wohnen.de
Wohnnet.at
Connox.de
Houzz.de

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