Und schon ist fast Mitte Juni, kaum zu glauben. Da sind die Honigbienen nach ihrer Winterruhe natürlich schon lange wieder aktiv. Wie die Honigbienen den Frühling verbrachten, und wie sie dabei von den Hobbyimkern unterstützt wurden, das verrät uns heute Johannes Wirz, Vorstandsmitglied und zuständig für Forschungsprojekte bei unserem Partner Mellifera e.V.


Wie es den Bienen so im Winter erging, haben wir hier ja bereits gelernt. Wie sah denn für die Honigbienen der Start in den Frühling aus? Nachdem sie geschlüpft sind, gibt es Rituale, mit denen die Bienen in den Frühling starten?

Der Start in den Frühling kennt kein Ritual, sondern bedeutet harte Arbeit. Die Königin legt bereits Ende Januar Eier, die als kleines Brutnest von den Winterbienen gepflegt werden. Mit der Blüte der Salweide im März wird das Brutnest extrem erweitert. Die die circa sechs Monate alten Bienen haben jetzt alle Hände, beziehungsweise Drüsen zu tun, um die Maden mit Futter zu versorgen. Es müssen große Mengen an Pollen und Wasser gesammelt werden. Diese kritische Periode wird von den Imkern als Durchlenzung bezeichnet.


Ein Bienenvolk, im Sommer aus bis zu 40.000 Bienen bestehend, schrumpft im Winter ja auf 10.000 Tiere. Ab wann genau sind die neuen Bienen aus ihren Brutzellen geschlüpft?

Das Volk verkleinert seine Größe bereits ab August, wenn die ersten Winterbienen erbrütet werden. In gesunden Völkern sterben in der kalten Winterszeit nur wenige Tiere. Mit Beginn der Kirsch-, Apfel- und Löwenzahnblüte legt die Königin jeden Tag bis zu 1.500 Eier, die sich in 21 Tagen zu jungen Bienen entwickeln. Die Dynamik der Volksentwicklung ist atemberaubend.


Wie haben sie bisher den Frühling verbracht?

Das Frühjahr begann optimal. Bereits Ende im April wanderte unser Erwerbsimker die ersten Völker für die Kirschblüte ins Rheintal, wenig später wurden andere Völker für die Löwenzahnblüte ins Allgäu gebracht. Doch der kalte Mai brachte eine große Ernüchterung. Wegen Kälte und Regen konnten die Bienen die Frühtracht nicht nutzen.


Wie sind sie mit dem wechselhaften Wetter umgegangen?

Die Völker haben gelitten. Im Rheintal mussten die Völker gefüttert werden; aus dem Allgäu wurden sie wieder in unsere Imkerei zurückgeholt – sie waren im Durchschnitt zwei Kilogramm leichter als am Tag, an dem sie abtransportiert worden waren. Wir wissen das, weil einige Völker auf elektronischen Stockwaagen stehen, die Gewichtsveränderungen täglich aufs Mobilfunktelefon senden. Im extremsten Fall haben Völker in zehn Tagen 4.5 Kilogramm Honig verzehrt. Der Wonnemonat Mai wurde zum Notmonat!


Wie oft muss ein Imker nach seinem Volk schauen?

Weil wir in der wesensgemäßen Bienenhaltung die Völker nur im Schwarmprozess vermehren dürfen und wollen, müssen wir die Völker alle neun Tage kontrollieren. Der Rhythmus der Völkerkontrolle hängt mit der Entwicklungsdauer der jungen Königinnen zusammen. Wenn in einer Weiselzelle ein Ei gelegt wird, dauert es exakt neun Tage, bis sie verdeckelt wird. Ab diesem Zeitpunkt kann die alte Königin mit der Hälfte der Bienen als Vorschwarm den Kasten verlassen. Diese Vorschwärme wollen wir nicht verlieren.


Wie erkennt er denn, dass es den Bienen gut beziehungsweise nicht gut geht?

Bei der Schwarmkontrolle können wir auch sehen, wie groß die Futtervorräte sind. Ein Volk sollte mindestens sechs Kilogramm haben. Fehlen die Vorräte ganz, so schraubt ein Volk seine Sammel- und Bruttätigkeit stark herunter. Der Imker erkennt diese Situation am schwachen Flug und im Extremfall auch daran, dass Bienen anfangen die Brut, also die Maden aus dem Stock zu tragen.


Wenn es dem Volk nicht gut geht, was kann der Imker dann unternehmen?

Je nach der Notsituation müssen verschiedene Maßnahmen ergriffen werden: Bei Futtermangel sofort auffüttern, bei einem sehr starken Varroamilben Befall müssen Kunstschwärme gebildet werden, das heißt die Königin und alle Bienen werden dem Stock entnommen und in einen leeren Kasten gesetzt.


Wann gab es denn den ersten Honig?

Bis jetzt gab es kaum Honig. Unser Erwerbsimker hat bis jetzt lediglich 200 Kilogramm Kirschblütenhonig geerntet. Der Löwenzahnhonig ist komplett ausgefallen. Wir hoffen, dass Akazien und Linden, sowie der Wald noch eine Honigernte erlauben. Die Imker sind wie die Landwirte den Wetterkapriolen ausgesetzt, und beide müssen damit rechnen, dass sie durch den Klimawandel noch extremer werden.


Wie verbringen die Honigbienen nun den Sommer?

Bis zur Sonnenwende im Juni werden die Völker weiterwachsen. Danach stellen sie sich bereits langsam auf den noch weit entfernten Winter ein. Ein altes Sprichwort sagt: In der Jahres Mitten rüstet der Bien den Winterschlitten. Wir hoffen, dass die Völker in der zweiten Jahreshälfte immer genug Pollen und Nektar finden, die sie für ihre Gesundheit und Widerstandskraft brauchen.


Zum Abschluss: Die Grill- und Kuchenzeit im Garten oder auf dem Balkon hat begonnen. Natürlich wollen wir ja die Bienen schützen. Aber was können wir am besten tun, wenn wir uns gemütlich ans Essen setzen, die Bienen aber mitessen wollen und uns Angst machen?

Die Meinung, dass Bienen am gedeckten Mittagstisch naschen ist weit verbreitet aber falsch. Das machen nur die Wespen. Weil sie für die Aufzucht der Brut Fleisch benötigen, sich selber aber mit Zucker ernähren, stören sie uns sowohl auf dem Schinkenteller als auch auf den Obstkuchen.


Vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Johanna Wies.


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