„Charmant, unterhaltsam, sonnig.“ Nein, damit sollen nicht die besonderen Vorzüge einer Dame beschrieben werden. Und die Attribute „gutmütig, besonnen, treu“ gelten keinem Herrn, den sich sicher manche Frau wünschen würde. Mit diesen Worten beschreibt ein schwäbisches Weingut zwei seiner Roséweine. Und das ist unser heutiges Thema: der Rosé.


Oh ja, er mundet!

Wie in Schwaben werden auch in vielen anderen deutschen Weinregionen wie zum Beispiel im Moselgebiet, in Rheinhessen oder in der Pfalz Roséweine gekeltert. Gerade im Sommer befeuchten sie kühl getrunken (zwischen 10 und 14 Grad) und angenehm schmeckend die dürstende Kehle aufs Vortrefflichste.


Weinlatein der Besserwisser

Bevor wir jetzt selbst in ein überkandideltes Weinlatein mit dem elitären Vokabular eines selbstverliebten Önologen oder Connaisseurs abdriften, soviel dazu: Den ABGANG des Weines beim Durchlauf in die Speiseröhre, auch genannt Nachhall oder Finale, dürfen wir getrost als Nachgeschmack bezeichnen. Und wenn ein Wein ein ADSTRINGIERENDES FINISH auslöst, besinnen wir uns doch einfach darauf, dass adstringere aus dem Lateinischen kommt und zusammenziehen bedeutet; was meines Erachtens heißt, dass dieses Tröpfchen kein so edles ist, wenn es uns im Mund alles zusammenzieht. Man könnte auch sagen, „dieser Wein ist sauer“. Auch wenn andere Menschen Weine als wuchtig, dünn, fleischig, dramatisch, fest oder gar animalisch beschreiben…


Der helle aus den roten Trauben

Genug. Zurück zum Rosé. Was genau ist nun der farblich zwischen dem Roten und Weißen angesiedelte Wein im Farbspektrum zwischen Lachs und Kirschrot? Ganz einfach: Roséweine werden wie Weißwein hergestellt – nur aus roten Trauben! Dafür gibt es verschiedene Methoden, eine davon ist die sogenannte Saignée-Methode. Bei dieser zieht der Winzer zehn bis 15 Prozent des Mostes ohne Pressung aus dem Gärbehälter ab, um daraus den Roséwein zu gewinnen. Der überwiegende Rest wird dann übrigens zu Rotwein.


Heißer Sommer – viel Rosé

Was man zum Thema Rosé als Basics wissen sollte: Beim Roséwein handelt es sich neben Rotwein, Weißwein, Schaumwein und Dessertwein um eine der fünf Grundsorten des alkoholischen Rebensaftes. Die roten Trauben als Ausgangsstoff werden in Deutschland auf gut einem Drittel der Rebflächen angebaut, und der Marktanteil des Rosés stieg in den letzten Jahren von zwei auf acht Prozent. Die heißen Sommer lassen grüßen…


Von trocken bis süß

Wenngleich die Unterschiede zwischen den Roséweinen längst nicht so groß sind wie zwischen einem trockenen Roten und einem süßen Weißen, dennoch ein Wort zum Geschmack. Das dürfte insbesondere interessant sein für Gesundheits- und Schlankheitsbewusste. „Trockene“ Weine enthalten vier bis neun Gramm Restzucker pro Liter, „halbtrockene“ zwölf bis achtzehn, „liebliche“ 18 – 45 und „süße“ mehr als 45 Gramm. Statt „süß“ – das klingt schon so zuckerig – wird heute zunehmend der Begriff „mild“ verwendet, statt „halbtrocken“ steht öfters „feinherb“ auf dem Weinflaschenetikett.


15 Liter die Flasche!

Apropos Weinflasche. Kennen Sie in diesem Zusammenhang die Ausdrücke Magnum, Doppel Magnum, Jeroboam, Methusalem, Salmanazar, Balthazar und Nebukadnezar? - Nein? Macht nichts, da sind Sie ganz sicher nicht alleine. Diese Bezeichnungen geben Weinflachen der Größen 1,5, drei, 4,5, sechs, neun, zwölf und 15 Liter an. Ja, auch das gibt es. Und die Aussage, man habe an einem geselligen Abend drei, vier Fläschchen Wein „geköpft“, könnte eine ganz andere Dimension bekommen. 


Zwei besondere Rosige

Ein besonderes Exemplar der Roséweine ist der Weißherbst. Diesen schützt das deutsche Weinrecht, indem es im Unterschied zu anderen Roséweinen für den Weißherbst vorschreibt, dass er zu 100 Prozent aus derselben roten Rebsorte und aus derselben Lage hergestellt werden muss. Ganz anders der Schillerwein. Er sieht dem Rosé zwar täuschend ähnlich, doch für seine Herstellung wird ein Gemisch aus weißen und roten Weintrauben verwendet. Der Schillerwein hat seinen Namen übrigens nicht von dem „Räuber“-Dichter Friedrich von Schiller, sondern von seiner schillernden Färbung.


Nicht gepanscht, nur verschnitten

Wenn wir gerade bei einem rot-weißen Gemisch sind, noch ein kurzer Ausflug in die Welt des Assemblierens. Von Assemblage spricht man, wenn Weine aus verschiedenen, teils bis zu vier oder noch mehr Rebsorten gekeltert werden. Unzulässig ist laut Winzern und Weinkennern dafür der Ausdruck „panschen“. Denn durch das Assemblieren oder Verschneiden sollen stets höherwertige Weine - sogenannte Cuvées – entstehen. Sicher eine echte Kunst.


Welchen Wein soll ich kaufen?

So, zum Schluss nun die allesentscheidende Frage: Wie erkenne ich im Weingeschäft oder Supermarkt nun einen guten Wein? Oder besser gesagt, wie finde ich den oder die Weine, die MIR schmecken? Geht man direkt zum Produzenten, das heißt zu einem Weingut, dürfte es kein Problem sein, nach einer guten Beratung auch einen Probierschluck zu nehmen. Frei nach dem Motto „Probieren geht über Studieren!“ müsste der Weinkauf dann entschieden sein.

Für alle, die sich im Supermarkt nach „Ihrem“ Wein umschauen hier zehn Tipps zum Weinkauf im Supermarkt.

Für die Begrifflichkeiten rund ums Thema Wein, hier ein Weinlexikon.


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